Frühling bis Herbst.

Veröffentlicht auf von elisabethdieerste

Der Frühling hat angefangen.

In mir ist Herbst. 

 

Lachende Kinder laufen kreischend um den Brunnen auf dem Markplatz. Rundherum sitzen Pärchen, schwatzend, lachend, liebend. 

An den zweigen des großen Nussbaumes im Innenhof knospen die ersten Blätter und Krokusse, violette und gelbe, stoßen aus der Erde.  

Früh in der Morgendämmerung singen die Vögel ihre Lieder. Und die Sonne geht langsam auf, die Häuserwände sind nicht grau von der Nacht, sie strahlen wie die Sonne selbst. Die Sonne kitzelt an meiner Nasenspitze. 

Die Welt ist schön. 

 

Aber in mir drin ist Herbst. Welke Blätter, Lebensabend.

Grau in grau, kein Gefühl. 

Tränen rinnen über ihre Wange und versickern im Kopfkissen. 

Tagelang hat sie ihre Seele im Gewühl der Kissen vergessen, im Duft der letzten Nächte, in Lust und Ektase schwelgend. Nicht vergessend.

Mit leeren Augen geht sie durch die Welt.

 


 

Nachtgedicht

Dich bedecken

nicht mit Küssen

nur einfach

mit deiner Decke

(die dir

von der Schulter

geglitten ist)

daß du

im Schlaf nicht frierst

 

Später

wenn du

erwacht bist

das Fenster zumachen

und dich umarmen

und dich bedecken

mit Küssen

und dich

entdecken

 

-Erich Fried-

 


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