Blablabla!

Veröffentlicht auf von elisabethdieerste

Ein Blick in dir Zukunft? 

Was wäre euch das Wert? Oft habe ich Lust dazu. Aber eher nicht. 

 

http://www.youtube.com/watch?v=8SerpKFfn1w

 

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Einmal links, einmal rechts. Dann die Straße runter. 

Das war immer so. Er kannte den Weg in und auswendig. Er hätte ihn auch blind  laufen können. Die Straßenlaternen leuchten nur sacht den Weg, aber das Licht braucht er gar nicht. Jeden Donnerstag ist er hin gegangen. Mit sechzehn, siebzehn, achtzehn. 

Zur kleinen Kneipe in der Stadt, die einzige. Er war immer der letzte am Tisch, aber sein Bier stand schon auf seinem leeren Platz. 

Auf den anderen drei Stühlen saßen zwei Jungen und ein Mädchen. Seine besten Freunde, seit er sechs war. 

Der Erste, ein kleiner, Dicker. Aber mit einem super Sinn für Humor und einem ansteckendem Lachen. Der Andere, der größte, schlank und dürr. Ständig im Stress und Muttersöhnchen. Und das Mädchen, klein, schlank, wuschelige kurze Haare. Mit Lachfältchen um den Augen. 

Und er selbst. Die breitesten Schultern. Immer einen guten Spruch im Kopf und sicherlich der Attraktivste. 

Der letzte. 

 

Jeden Donnerstag trafen sich diese vier so unterschiedlichen Menschen zum Lachen, Reden, Trinken. Meistens gehen sie angetrunken und leicht wankend nach Haus. Der schlanke dürre mit dem Mädchen im Arm, der Kleine und Er selbst bis zur zweiten Kreuzung zusammen. Ein Handschlag und Tschüss. 

Das Lächeln ist eingefroren auf dem Gesicht, auch in dieser Nacht. Auch auf dem Hinweg. Weil er weiß, dass drei wunderbare Menschen auf ihn warten, die ihm nicht übel nehmen, dass er schon wieder zu spät kommt. Weil es schon immer so war. 

Gleich, wird er wieder in die Wärme eintreten, nicht nur die der Kneipe. Die im Herzen. 

 

 

Wenn er daran denkt, wird ihm warm ums Herz.

Heut ist er dreißig. Fährt jeden Tag 5 Stockwerke Fahrstuhl in seine Wohnung, wo seine Frau mit dem Essen wartet und sein meistens Sohn schon im Bett liegt und schläft. 

Sein Telefon klingelt nur noch, wenn es Ärger gibt im Büro. 

Und Trinken tut er auch nur noch, wenn er mit Kollegen zum Geschäftsessen geht. 

Er ist leer, gestresst. Ausgelaugt. Fühlt nichts. Leere. 

Ingenieur. Es verdient gut, dass weiß er. Er hat eine Familie, die er nur allzu oft im Stich lässt. Seine Freunde... ja, seine Freunde. Wo sind sie?

 

Eines Abends im Fahrstuhl erinnert er sich an seine Kneipe, seine Freunde. Seine kleine Heimatstadt. Seine Eltern. Wann hat er all das zum letzten Mal gesehen? 

Als er in seinem Stockwerk ankommt beschließt er kurzerhand wieder in den Fahrstuhl zu steigen. 

 

Fünf Stunden später steht er im Regen am unüberdachten Bahnhof seiner Heimatstadt. Er beschließt zu laufen. Bis zu dem Haus seiner Eltern. Er steht davor, aber geht nicht hinein. 

Es ist Donnerstag.

Einmal links, einmal rechts. Dann die Straße runter. Dann steht er vor seiner Kneipe. Er schaut auf die Uhr: kurz nach sechs. 

Er geht hinein, die Türklingel noch wie vor zwanzig Jahren. Er grüßt den Barmann, ein neuer, jüngerer. 

Dann führen ihn seine Schritte -wie gewohnt- zu dem Erkerplatz zwischen Zwei Holzbalken und der Backsteinwand. 

Und plötzlich sehen ihn drei Augenpaare so erstaunt an, als würden sie einen Geist sehen. Zwei Braune, zwei Blaue und zwei Grüne, mit ein wenig mehr Lachfältchen. 

Alles ist wie immer. 

Nur die erstaunten Blicke passen nicht. Und dass auf seinem Platz kein Bierglas steht. 

“Darf ich mich setzen?”, fragt er. 

 

Nach einer langen Nacht, es ist fast drei, verlassen sie die Kneipe. Er umarmt sie und ihn und beide gehen zusammen, Arm in Arm in die andere Richtung. Sie tragen jetzt Ringe und in ihrem Bauch wächst ein Baby. Von ihm. Sie sehen glücklich aus. Er hatte es immer gewusst. 

Der Andere, der Jüngste sieht immer noch aus wie vor zwanzig Jahren. Sie reden noch während sie bis zur zweiten Kreuzung gehen. Dann müssen sie sich trennen. Ein Handschlag. Und diesmal eine Umarmung. 

“Komm bald mal wieder. Du hast uns gefehlt.” ,sagt der Andere.

“Sicher.”, sagte er. 

 

Sie drehen sich um, jeder in eine andere Richtung. 

Es regnet immer noch. Er geht nach Hause. Er steht vorm Gartenzaun. Seine Mutter hatte neue Rosen gepflanzt. Sonst war auch hier alles wie immer. 

 

Er klingelt und seine Mutter öffnet die Türe. Sie sieht ihn an und hat Tränen in den Augen. Dann nimmt sie ihn in den Arm. Für eine Ewigkeit, ein kleine. 

Nach einem Abendbrot wie vor zwanzig Jahren und langen Gesprächen und ein paar Fotos liegt er im Bett seiner Kindertage. Mit dreißig. 

Er sieht all die Gesichter vor sich, die er vor Jahren verlassen hat und zu denen er nun zurückgekommen ist. Und er ist der glücklichste Mensch der Welt. Hier gehört er hin. Der Regen trommelt ans Fenster.

 

Aber er muss wieder zurück. Er wird seine Frau glücklich machen und die Strahleaugen seines Sohnes zum Leuchten bringen. 

Er wird ihnen all das zeigen.

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