Am Meer

Veröffentlicht auf von elisabethdieerste

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Ich ging immer weiter, ohne zu sehen wohin. Der Sand knirscht unter meinen nackten Füßen, krümelt zwischen meinen Zehen. 

Die Nacht umarmt mich mit ihren kühlen Armen aus Meeresluft. Das einzige Licht geben mir die Sterne und die glänzenden Wellen im Wasser. Um mich herum höre ich manchmal leise Stimmen, Gelächter, aber meistens ist es ganz still. Nur das Rauschen zu meinen  Füßen. 

 

Ich streife mein Kleid von den Schultern und drehe meinen nackten Köper gegen den Wind. Der frische Wind tut gut auf der sonnenverbrannten Haut. Dann gehe ich langsam, schreite beinahe, in das kalte Wasser, welches langsam und ganz zart Besitz von mir ergreift, mich umschließt, mich eins werden lässt mit dem Ursprung seines Wesens und der Natur. 

Mit großen Zügen schwimme ich dem Horizont entgegen, der nicht zu erkennen ist. Sehr weit weg hören die Sterne plötzlich auf, dort muss das Meer beginnen, oder enden oder sich teilen. Ich schwimme schneller, tauche unter, wieder auf, nehme die nächste Welle. Ich habe das Gefühl immer weiter zu müssen, schneller, bis zu den Sternen. Ich will nie wieder umkehren, das Wasser um mich herum wird zur zweiten Haut, wir werden eins. 

Nach ein Ewigkeit werde ich langsamer, schwächer, ich drehe mich auf den Rücken und lasse mich treiben. Sammle Kraft für den Rückweg. Wüsste ich es nicht besser, würde ich mich einfach weiter tragen lassen von den Wellen, mit der Gewissheit, dass sie mich zum Strand zurückbringen. Aber ich weiß es besser. 

Ich atme tief ein und beginne den Rückweg. 

 

Angekommen, leise keuchend mache ich mich auf die Suche nach meinem Kleid. Nach ein paar Metern werde ich fündig. 

Ich blicke mich um, versuche Umrisse zu erkennen und erahne nach ein paar weiteren Metern Segelboote, die am Strand verankert wurden. Ich setze mich in deren Windschatten und mache die Augen zu. 

Langsam überkommt mich sanfter Schlaf. 

 

Ich werde wach, als ich merke, dass sich jemand neben mich in den Sand fallen lässt. Seine Stimme ist mir fremd, aber sympathisch. Er redet von Sternen, Himmel, Unendlichkeit. Er ist von gleich so nahe, ich habe das Gefühl, er erkennt mich. 

Ich kenne ihn nicht. Er legt mir seine Jacke über die Schultern, als er merkt, dass ich zittere. 

Wir legen uns in den Sand und zählen die Sternschnuppen. Als wir einschlummern waren es genau neun. Neun Wünsche für jeden von uns.

 

Wir werden von Möwen geweckt, die sich um die Segelboote versammelt haben. 

Die Sonne geht langsam auf und spiegelt sich im Meer. Weit weg, am Horizont türmen sich dunkle Wolkenberge auf. 

Ich kann sein Gesicht erkennen. Er hat liebe Augen. 

 

Vielleicht ist es für die Ewigkeit. Vielleicht auch nur für den Moment.  

 

 

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